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Stadtarchitektur und Technik (11. - 20. Arrondissement/ Umland)


Hier finden sie Bauwerke (auch Kirchen) und technische Einrichtungen der Arrondissements elf bis zwanzig und des näheren Umlandes (definiert durch die Erreichbarkeit mit RER oder Métro). Alles was noch weiter draußen liegt, finden sie unter "Umland" auf der Seite "Was unternimmt man in Paris?" Die Besichtigungsmöglichkeiten sind nach Arrondissements geordnet.

Bei den Telephonnummern handelt es sich um die französischen Inlandsnummern. Wenn sie vom Ausland aus anrufen, ersetzen sie einfach die erste "0" durch die Landesvorwahl (von Deutschland, Österreich und der Schweiz aus die "0033"). Und gehen sie nicht davon aus, daß am anderen Ende der Leitung jemand eine andere Sprache als Französisch versteht....

Aktuell finden sie hier folgende Sehenswürdigkeiten:

  • 12. Arrondissement: Ancien Entrepôts Vinicoles de Bercy
  • 16. Arrondissement: Castel Béranger, Fondation Le Corbusier, Rue Mallet-Stevens, Le Palais de Tokyo
  • 18. Arrondissement: Halle Saint-Pierre
  • 19. Arrondissement: Cité des sciences et de l'industrie
  • Jenseits des BP: Nogent-sur-Marne, Noisy-le-Grand, Saint Denis
  • Und die Vorschläge für die Arrondissements 1 - 10



  • 12. Arrondissement (Bercy - Reuilly)


    Alte Weinlager von Bercy (Ancien Entrepôts Vinicoles de Bercy)

    Direkt am Seineufer gelegen und nahe an der Stadt entwickelte sich Bercy im 19. Jahrhundert zum "Weinkeller Europas" (oder der Welt, je nach Quelle...). Wann der Weinhandel dort begann scheint nicht ganz festzustehen, von "unter Ludwig XIV" ist die Rede, andere Quellen geben 1809 als erste offizielle Ansiedlung eines Weinhändlers in der Gemeinde Bercy an. Leichter als der Zeitpunkt sind sicher die Motive festzustellen: Die Wasserstraße sicherte den Transport, Paris den Absatz und die Lage vor den Toren schützte erst mal vor den städtischen Steuern. Und da die Pariser auch vor 200 Jahren schon gerne "ins Grüne" fuhren fand man am Seineufer auch ein reges gastronomisches Leben vor: In den Guinguettes trank man nicht nur den Wein sondern amüsierte sich auch bei Musik und Tanz. Und die Tatsache, daß die Pariser Ordnungsmacht vor den Toren der Stadt nchts zu melden hatte, tat ihr Übriges, die Beliebtheit von Bercy zu fördern...
    Unter Baron Haussmann wurde diese florierende Gemeinde dann auch nach Paris eingemeindet und die Weinlager wurden in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts mit einer Mauer umgeben, um den Fluß des Weines und der damit verbundenen Steuern auf's genaueste zu kontrollieren. Innerhalb der Mauern wurde nicht nur gearbeitet, Wein gelagert, in Flaschen gefüllt, (gemischt...), etikettiert und im großen Stil gehandelt, sondern auch gegessen, getrunken, Boule gespielt... Die Weinlager waren ein eigenes Dorf in Paris, das auch nur Weinhändler und die dort beschäftigten überhaupt betreten durften.
    Der Weinhandel brachte auch eine eigene Architektur hervor, mit kleinen Häuschen, den "chais". Dazwischen verliefen gepflasterte Straßen, die "cours", denn die mit riesigen Weintonnen beladenen Wagen die in Paris den Rebensaft an Gastwirte weiterverkauften waren schwer. All dies ergab ein pittoreskes Bild und eine ganz eigene Gesellschaft. Etwa ab den 1960er Jahren ging der traditionelle Weinhandel stark zurürck, denn zum einen wurden die Konsumenten anspruchsvoller und verlangten vermehrt "reine" Weine, keine Mischungen aus Bordeau, Burgunder, algerischem Wein,..., zum anderen füllten immer mehr Chateaus den Wein selbst in Flaschen, wodurch die Tätigkeit der Weinhändler unwichtiger wurde und sich auf den Weiterverkauf beschränkte. In den 70er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden die Weinlager dann endgültig aufgelöst. (Eine Seite mit stimmungsvollen Aufnahmen von 1975.)
    Danach wurde leider beinahe alles niedergerissen um Platz für den P.O.P.B. und den Parc de Bercy zu schaffen. Zwar wurden einige Gebäude im Park erhalten und auch die Wege mit den alten Steinen gepflastert, aber einen Eindruck der alten Weinlager erhält man nur noch schwer. Bercy Village benutzt zwar eine Reihe alter chais und räumt auch alten Photos einen gewissen Raum ein, ist aber mehr ein "Open-Air-Einkaufszentrum" als ein geschichtsträchtiger Ort. Erst dahinter, zwischen Rue des Pirogues de Bercy und der Avenue des Terroirs de France, vermitteln einem einige Häuserreihen noch einen kleinen Eindruck von den alten Weinlagern. Da sich die Gebäde allerdings offensichtlich in Privatbesitz befinden, kann man sie nicht besichtigen, sondern nur hier und da einen Blick über den Zaun werfen.

    © 06.05.2002

    Adresse: Seineufer zwischen Boulevard de Bercy und Porte de Bercy
    Anfahrt: Métro 14, Station "Cour St-Emilion"



    16. Arrondissement (Passy - Auteuil)


    Schloß Béranger (Castel Béranger)

    Vom Volksmund und den Bewohnern "Castel dérangé" getauft (was so viel wie "geistig verrwirrt" bedeutet), überrascht dieses ab 1895 vom späteren Architekten der Metroeingänge Hector Guimard erbaute Gebäude auch heute noch durch seine ungewöhnlichen Formen und Details: Die unsymmetrischen aber dennoch harmonischen Formen die von floralen Motiven inspiriert scheinen, die Dekore, von denen keines dem anderen gleicht... Hundertwasser hatte ganz offensichtlich einen Vorläufer. Und dabei war hier keine Residenz eines reichen Auftraggebers entstanden, sondern ein Mietshaus, das mit möglichst wenig finanziellem Einsatz gebaut werden sollte. Der Architekt löste die Aufgabe offensichtlich mit Bravour und so gewann das Castel auch den ersten Pariser Fassadenwettbewerb 1898. Sehen und bestaunen kann man leider nur das Äußere mit seinen lianengleich geschwungenen Balkongittern und den Motiven, die teilweise ein wenig an die Grimassen gotischer Wasserspeier erinnern. Nach Photos zu urteilen scheint aber das Innere nicht weniger ungewöhnlich zu sein. Das Haus wird bewohnt, daher sind Besichtigungen nicht möglich. In der Umgebung befinden sich noch weitere von Hector Guimard entworfene Gebäude.

    ©12.11.2001

    Ort: 14, Rue La Fontaine
    Anfahrt: Métro 9, Station "Jasmin"



    Le Corbusier Stiftung (Fondation Le Corbusier)

    Von Le Corbusiers ursprünglichem Plan für eine Gesamtbebauung der Sackgasse blieben am Ende leider nur zwei zusammenhängende Gebäude übrig: Die Villa Jeanneret, die er 1924 für seinen Bruder Albert Jeanneret baute und die Villa La Roche, für einen Freund und Kunstsammler. Schon von außen erkennt man viele Elemente des Le Corbusier-Stils, wie die klaren Fassaden mit ihren Fensterbändern. Die gebogene, elegante Fassade der Villa La Roche spiegelt schon gut den repräsentativeren Auftrag des Bankiers und Kunstsammlers gegenüber der geraden Front des Familienwohnhauses Villa Jeanneret wider. Heute beherbergen beide Häser die Fondation Le Corbusier, die in der Villa La Roche unter anderem immer wieder Kunstausstellungen veranstaltet. Auch eine Bibliothek ist vorhanden.

    ©06.11.2001

    Ort: 8-10 Square du Docteur Blanche
    Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 10.00 - 12.30 und 13.30 - 18.00, Freitag 10.00 - 12.30 und 13.30 - 17.00
    Anfahrt: Métro 9, Station "Jasmin"
    Telefon: 01.42.88.41.53
    Fax: 01.42.88.33.17



    Mallet-Stevens Straße (Rue Mallet-Stevens)

    Ein schönes Beispiel für die Architektur des 20. Jahrhunderts und gleichzeitig in seiner zurückhaltenden, scheinbar einfachen Bauweise typisch für dieses Pariser Quartier ist die rue Mallet-Stevens. Der Architekt Robert Mallet-Stevens baute 1927 in dieser heute nach ihm benannten Sackgasse ein kleines Wohnviertel für sich und einige ebenfalls wohlhabende Freunde und Mäzene. Ein Bildhauer wollte er sein, der aus einem großen Block Häuser aus Kuben und Zylindern heraushaut. So domieren hier klare Linien und Formen, die mit ihren weißen Fassaden zudem einen interessanten Kontrast zu den Bäumen und Pflanzen darstellen. Im Haus Nummer 12 am Anfang der Straße wohnte der Architekt selber, das Haus daneben entstand als Atelier für Bildhauer. Allem Anschein nach dient Nummer 10 auch heute noch als Atelier und wurde erst kürzlich renoviert, so daß gelbe Rolläden und rote Elemente das Weiß der Fassade zusätzlich betonen.

    ©06.11.2001

    Ort: rue Mallet-Stevens
    Anfahrt: Métro 9, Station "Ranelagh", "Jasmin"



    Der Tokio-Palast (Le Palais de Tokyo)

    Die weißen Säulen des Palais de Tokyo strahlen im Winter bis zum anderen Seineufer (im Sommer verdecken Bäume die Sicht). Erbaut anläßlich der Weltausstellung von 1937 repräsentiert er, wie auch das Palais de Chaillot einige hundert Meter weiter, die monumentale, neo-klassische Architektur dieser Zeit. Da an dem Bau in Frankreich damals keine Faschisten beteiligt waren, hegt man hier auch keine Vorurteile gegen den Baustil, sondern kann sich getrost der Wirkung überlassen: Gerade an dieser Stelle, an der Seine, in Sichtweite zum Eiffelturm und mit den ebenfalls prachtvollen Wohnhäusern an der anderen Seite der Straße paßt sich das Palais de Tokyo harmonisch in seine Umgebung ein. Den riesige Innenhof, der von den beiden Gebäudeflügeln umschlossen wird, schmücken Statuen und Reliefs, sowie ein großer Brunnen (der anläßlich der Fête de la Musique auch schon mal abgelassen wird und dann als stimmungsvolle Bühne und Tanzfläche dient!). Die glatten Flächen sind natürlich auch ein Paradies für Skateboardfahrer... Bei schönem Wetter kann man auch im Hof einen Kaffee trinken und den Blick auf die Seine genießen, denn die Museumscafeteria steht allen offen und ist auch ohne Eintritt zu zahlen über den Patio zu erreichen. Die beiden Gebäudeflügel beherbergen heute das Musée d'Art moderne de la Ville de Paris und die Site de création contemporaine.

    © 2000/ 28.04.2002

    Adresse: 11-13, Avenue du Président-Wilson
    Anfahrt: Métro 9, Station "Iéna"
    Telefon: 01.53.67.40.00



    18. Arrondissement (Butte Montmartre - La Chapelle)


    Markthalle Saint-Pierre (Halle Saint-Pierre)

    Auf halber Höhe der Butte Montmartre, umgeben von den grauen Fassaden der Stoffgeschäfte und von Touristen kaum bemerkt steht diese ehemalige Markthalle. Erbaut 1868 von einem Schüler Baltards wirkt das Gebäude mit seinen Ziegelmauern beinahe abweisend, denn die hohen metallgerahmten Fenster nimmt man kaum mehr wahr, wenn man direkt davor steht. Doch so häufig sind Markthallen im Stile des 19. Jahrhundert in Paris ja nicht mehr, daß diese nicht einen Blick wert wäre. Die bunten Banner an den Fenstern verraten aber schon, daß diese Halle weiterhin genutzt wird: Und so kann man sie auch betreten und unter dem hohen Hallendach, um eine gußeiserne Wendeltreppe herum arrangiert einen Kaffee trinken oder einen Imbiß zu sich nehmen und an den Wänden diverse, oft eigenartige Kunstwerke bewundern. Auch eine Kunstbuchhandlung findet man hier. Das Gebäude dient nämlich als Museum für naive Kunst; Dinge, die man sonst nicht so oft in Museen findet...

    ©25.04.2002

    Adresse: 2, rue Ronsard
    Öffnungszeiten: täglich 10.00 - 18.00
    Eintritt: Eintritt für Ausstellungen, Vorträge, Workshops
    Anfahrt: Métro 2, Station "Anvers"
    Telefon: 01.42.58.72.98



    19. Arrondissement (La Villette - Buttes Chaumont)


    Stadt der Wissenschaften und der Industrie (Cité des sciences et de l'industrie)

    Wissenschaft und Technik erfahrbar machen wollen die verschiedenen Ausstellungen, die sich über die fünf Stockwerke der "cité" erstrecken. Die Explora befaßt sich mit natur- und sozialwissenschaftlichen Themen, verschiedene Effekte werden vorgeführt und immer wieder wird zum Mitmachen und Anfassen animiert. Auch Zukunftsvisionen verschiedener Bereiche werden vorgestellt. Ein Planetarium gehört dazu, genauso wie eine ausgemusterte Mirage IV und das Jagd-U-Boot Argonaute. Ein Stockwerk ist ausschließlich den Kindern gewidmet (Cité des enfants) und es gibt mehrere Mediatheken mit Büchern, Zeitschriften, Videos und Computerprogrammen für Kinder und Erwachsene, eine "Didakthek" mit Lehrmaterialien (nicht allgemein zugänglich) und die "Stadt der Berufe" (Cité des métiers), einem Berufsinformationszentrum, das Jugendlichen und Erwachsenen bei Berufswahl und Arbeitssuche Hilfestellung leistet.
    Wer von den lehrreichen Abenteuern der "Cité" genug hat, kann sich in drei Kinos die Sinne verwirren lassen: Im Geode auf einer 1000m² halbkugelförmigen Leinwand, im Simulator Cinaxe, dessen Hydraulik es erlaubt, mehr als die Illusion einer tatsächlichen Bewegung zu erleben und im 3-D Kino Louis Lumière. Bei schönem Wetter bietet sich auch ein Spaziergang durch die Außenanlagen (etwa zum Gewächshaus) an. Ansonsten ein hervorragender Ort für mindestens einen Regentag!

    Adresse: 30, avenue Corentin-Cariou
    Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, von 10.00 bis 18.00, Sonntag von 10.00 bis 19.00)
    Geschlossen: Montag
    Eintritt: der Eintritt in die Cité ist kostenlos, die Ausstellungen und Kinos kosten zwischen FF 25,00 und FF 57,00, wobei teilweise die Eintritte für mehrere Attraktionen zusammengefaßt sind; daneben gibt es noch Jahreskarten für Einzelpersonen und Familien, die auch die Ausleihe in den Mediatheken einschließen
    Anfahrt: Métro 7, Station "Porte de la Villette"
    Telefon: 01.40.05.70.00



    Jenseits des BP


    Nogent sur Marne

    Hier befindet sich noch eine der Markthallen, die früher im Pariser Hallenviertel standen. Der Markt dort wurde 1969 nach Rungis verlegt und die Pavillons aus dem 19. Jahrhundert abgerissen. Nur einer wurde in Nogent sur Marne wieder aufgebaut und dient unter dem Namen Pavillon Baltard als Ort für Ausstellungen, Konzerte, Fernsehaufzeichnungen,... . Um die Halle herum hat man noch alte Straßenlaternen installiert, die den alten Pariser Markt vielleicht ein kleines bißchen vorstellbar machen. Leider bleibt einem auch da nur der Blick durchs Gitter, weil der Pavillon in der Regeln nicht zur Besichtigung offen steht.

    Anfahrt: RER A, Station "Nogent-sur-Marne"



    Noisy-le-Grand

    Ein typisches Beispiel für eine "neue Stadt", die in den sechziger Jahren erbaut wurde. Ein Versuch, im Westen von Paris nicht nur Wohnraum, sondern auch Arbeitsplätze zu schaffen. Das Ergebnis war eine Schlafstadt, mit Wohnhäusern im Palaststil, denen man die gute Absicht genauso deutlich anmerkt, wie der Kontrast mit der Wirklichkeit. Trotz dieser stadtplanerischen Bemühungen blieb der Westen von Paris eine relativ wenig attraktive Wohngegend für Arbeiter (die heute nicht merh aus französischen, sondern aus afrikanischen oder asiatischen Dörfern zuwandern). Beeindruckend sind aber dennoch Anlagen wie die Arènes de Picasso oder der Palacio d'Abraxas geblieben.

    Anfahrt: RER A, Station "Noisy-le-Grand - Mont-d'Est"



    denis

    Saint Denis

    Eine Siedlung befand sich bereits im ersten Jahrhundert nach Christus an dieser Stelle. Den heutigen Namen verdankt der Ort dem ersten Bischof von Paris, dem heiligen Denis, der sich der Legende zufolge nach der Enthauptung auf dem Montmartre seinen abgeschlagenen Kopf unter den Arm klemmte und damit bis zu dem heutigen Saint Denis lief, wo er dann von einer frommen Frau begraben wurde. Neben Kirche und Kloster waren für den Ort schon früh Industrie und Handel bestimmend. Der Markt, la Foire du Lendit, war ab 1109 für sechs Jahrhunderte einer der bekanntesten in Europa. 1200 hölzerne Logen standen den Händlern zur Verfügung und die Universität von Paris erwarb dort einmal jährlich ihren Pergamentvorrat. Die industrielle Tradition setzte sich im 19.Jahrhundert mit der Ansiedlung der Schwerindustrie fort und zog damit auch arbeitssuchende Landbevölkerung an. Dies hat sich bis heute nicht geändert, nur daß die Arbeitssuchenden heute oft aus Afrika oder Asien stammen und keine Arbeit mehr finden. Die hohe Arbeitslosigkeit, besonders unter den Jugendlichen hat leider ein oft gewalttätiges Klima zur Folge, so daß es ganz besonders nachts nicht empfehlenswert ist, den Vorort näher zu erkunden. Zwar wurde mit dem Stade de France, in dem die französische Fußballnationalmanschaft die Weltmeisterschaft 1998 gewannt, ein weiterer Versuch unternommen, das Viertel attraktiver zu gestalten, aber die hohe Arbeitslosigkeit konnte so natürlich auch nicht gesenkt werden. So bleibt Saint Denis leider derzeit ein Ort, der stellenweise und besonders nachts auch von der Polizei nicht gerne betreten wird. Und viele Einwohner bleiben nach Einbruch der Dunkelheit lieber in ihren Wohnungen.
    Hauptanziehungspunkt für Touristen aus der ganzen Welt und aus Frankreich selber ist die Basilika Saint Denis, die bereits seit der Merowingerzeit Gräber beherbergt. Der Ort ist bereits im fünften Jahrhundert ein beliebter Wallfahrtsort, die heutige gothische Kirche wurde unter dem Abt Suger begonnen und stellt den Prototyp eines Gotteshauses gegen Ende des 12. Jahrhunderts dar. Zugleich war diese Bauform Vorbild für die Kathedralen von Chartres, Meaux und Senlis. Auch einige der prachtvollen Buntglasfenster gehen auf Entwürfen von Suger zurück, befinden sich aber seit Mitte der neunziger Jahre zur Restauration und sind durch originalgroße Kopien auf Folie ersetzt, die den Gesamteindruck des Lichtes in der Basilika erhalten. Nach relativ kurzer Zeit ließen die Bemühungen zum Unterhalt des Gebäudes nach und es war zur Zeit der französischen Revolution bereits recht zerfallen. Napoléon I veranlaßte die nötigsten Erhaltungsarbeiten und dem Architekten Viollet-le-Duc ist die Erhaltung des ursprünglichen Baustils bei der Restaurierung zu verdanken.
    Bedeutungsvoll war die Basilika auch als Ruhestätte der toten Könige, Aufbewahrungsort des Lilienbanners und der Krone. Der erste König, der hier bestattet wurde war Dagobert und von Hugo Capet an fanden (fast) alle französischen Könige ihre letzte Ruhestatt hier, neben etlichen Prinzen, Prinzessinen, Fürsten,... und einigen verdienten Persönlichkeiten. Die ersten der charakteristischen Grabstatuen (Gisants) wurden von Saint Louis (Ludwig dem Heiligen) in Auftrage gegeben, der seinen Vorgägern diese Denkmäler erbauen ließ. Mit der Zeit wandelten sich die idealisierten Darstellungen zu lebensechten und auch die Form der Grabmäler änderte sich in der Reanissance. 1793 zerstörten die Revolutionäre viele der Grabmäler und warfen die Gebeine der Toten in Massengräber. (Je nach Quelle sollen es die Überreste von bis zu achthundert Personen gewesen sein.) Ein Teil der Gisants und Statuen wurde durch Abtransport in ein Museum gerettet werden. 1817 erhält die Basilika ihre Rolle als Königsnekropole zurück und heute sind über siebzig der Grabmälter dort zu besichtigen und geben einen Überblick über die französische Grabbildhauerkunst vom 12. bis zum 16. Jahrhundert.

    Adresse: Basilique de Saint-Denis, 1, rue de la Légion d'honneur, 93200 Saint Denis
    Öffnungszeiten (Nekropole): Montag bis Samstag 10.00 - 17.00, Sonntag 12.00 - 17.00 (1. Oktober bis 31. März); Montag bis Samstag: 10.00 - 19.00, Sonntag: 12.00 - 19.00 (1. April bis 30. September)
    Geschlossen: 1. Januar, 1.Mai, 1. November, 25. Dezember
    Eintritt: FF 32,00 (FF 21,00 für zwölf bis 25jährige; Kinder unter 12 Jahren kostenlos)
    Anfahrt: Métro 13, Station "Basilique de St-Denis"; RER D, Station "Saint Denis"
    Telefon: 01.48.09.83.55




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    © Oktober 1999 by m.nowak - letzte Aktualisierung am 31.05.2002