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Wo bekommt man was zu essen?




Die größte Gefahr besteht darin, zu verhungern, weil man sich nicht entscheiden kann, wie man essen möchte: Arabisch oder italienisch? Japanisch oder amerikanisch? Griechisch oder koscher? Die Auswahl ist enorm, nur eines bekommen sie in Paris nicht: französische Küche. Die gibt es nämlich nicht. Wohl aber die verschiedensten Regionalküchen: Sie finden burgundische, savoyardische, provençalische,... und andere Restaurants über die ganze Stadt verteilt. Sehr beliebt bei den Parisern ist auch die Küche des "Sud-Oest", die mit Gänseleber oder "Cassoulet" (einem köstlichen gratinierten Bohneneintopf mit Enten- oder Gänsefleisch) verzaubert. Gerade diese Vielfalt ist typisch für Paris. "Echt" pariserisch ist aber zweifelsohne auch ein "Sandwich" oder das "bifteck frites" (ein gebratenes Stück Rindfleisch mit Pommes Frites und vielleicht noch einem grünen Salat) in einem Bistrot.

Frankreich sei teuer, höre ich oft. Nun, man kann an einem Abend leicht FF 500,00, FF 800,00 oder beliebig mehr pro Person und Menue ausgeben, aber man muß nicht. Es ist wirklich für jeden Geldbeutel etwas dabei: Ein Sandwich bekommt man schon ab FF 13,00 (kann aber auch FF 25,00 dafür zahlen) und gerade Mittags bieten viele Restaurants eine günstige "Plat du Jour" (Tagesgericht) oder sogar ein "Menue du Jour" (Tagesgericht + Vorspeise oder Nachtisch, manchmal auch mit beidem) an. Preislich ungeschlagen sind hier asiatische Restaurants oder Imbisse, die ein Menue manchmal schon für weniger als FF 30,00 anbieten. Wer etwa FF 60,00 anlegen kann, hat schon eine gute Auswahl. Abends ist es meist etwas teurer, weil viele Lokale das günstige Tagesmenue nur Mittags servieren (auch samstags und sonntags gibt es gewöhnlich kein "Menue du Jour"), aber auch hier muß man nicht mehr als FF 100,00 ausgeben und hat dann schon die Qual der Wahl.

An den Haupteinkaufsstraßen und den touristischen "Brennpunkten" kostet es in der Tendenz etwas mehr und oft spart bereits der Weg in eine Seitenstraße so einige Francs. Ungewohnt mag es auch erscheinen, daß etliche Lokale ihre Preise nach "Comptoir", "Salle" und "Terrasse" unterscheiden. Ein Kaffee kann zwischen Theke und Sitzplatz leicht eine Mark teurer werden und ein Terrassenplatz mit Aussicht auf die Champs Elysées schließt keineswegs die Mitnahme der Tassen mit ein, auch wenn es einem beim Studium der Rechnung so vorkommen mag. Da die Preise aber gewöhnlich außen oder anderweitig gut sichtbar angeschlagen sind, genügt ein Blick, um zu entscheiden, ob dieses Café, dieses Restaurant dem eigenen Geldbeutel entspricht.

Was allerdings teuer werden kann, ist das Festhalten an deutschen Gepflogenheiten: Sowohl Bier als auch Limonaden kosten gewöhnlich deutlich mehr als in Deutschland (umgerechnet vier bis fünf Mark für 0,2l oder 0,25l, gerne auch teuerer), bei Speiseeis ist mit drei Mark pro Kugel zu rechnen und auch die wenigen Mineralwassersorten mit Kohlensäure ("gazeuse") enttäuschen nach deutschen Gewohnheiten, da sie im Vergleich mit einem z.B. Kondrauer nur schwach prickeln. Die Franzosen trinken eben lieber ein Glas Wein und Kinder bekommen zum Essen häufig entweder Wasser oder einen "sirop" (Fruchtsirup), der mit Wasser aufgegossen wird.

Was auch nicht immer leicht zu durchschauen ist, ist das Neben- und Miteinander von "Bar", "Café", "Brasserie", "Salon de Thé", "Restaurant",... . In einer Bar oder einem Café bekommt man in erster Linie alkoholische und nicht-alkoholische Getränke, in einer "Bar" auch immer hochprozentige Alkoholika. Dazu bieten manche noch einen kleinen Imbiß an, ein "Sandwich" (oder am Vormittag ein Croissant) etwa, das dann oft ohne Teller, nur in eine Serviette gewickelt serviert wird. Das "klassische" Sandwich besteht aus einem halben Bagutte, das mit "saucisson" (der französischen Salami-Variante), "jambon" (Schinken), "frommage" (Käse) oder "pâté" (ganz grob mit einer Streichwurst aus Leber, Speck und Fleisch zu vergleichen, aber nur sehr ungefähr!) und Butter belegt wird. Eventuell kommt noch ein Cornichon dazu. Serviert der Wirt kein Essen, gestattet er meist, daß man sich zum Kaffee ein Croissant aus der "boulangerie" (Bäckerei) nebenan holt

Kuchen ("patisserie") gehört in einem Café nur in Ausnahmefällen zum Angebot. Dafür ist eher der Salon de Thé zuständig, der neben verschiedenen Teesorten auch Kaffee oder heiße Schokolade mit kleinen süßen Speisen (Kuchen, Torten, Crèpes, Eis, ...) anbietet. Viele servieren auch salzige Imbisse wie Salate, Galettes oder Quiche. Die französische Vorstellung von "Tee" ist allerdings nicht jedermanns Sache: Beuteltee ist die Regel und ein Teebeutel wird zu einem Kännchen mit bis zu einem halben Liter Wasser serviert. Von "kochend" ist das Wasser bis es auf dem Tisch steht dann auch schon wieder weit entfernt... . Wer auf diesen Schock gerne einen Schnaps hätte: Viele Teesalons haben überhaupte keine Schanklizenz für Alkohol, andere verkaufen immerhin Bier oder Wein.

Die Brasserie ist wörtlich übersetzt eine "Brauerei". Es gibt dort aber keineswegs nur Bier sondern in der Regel ein ähnliches Angebot, wie in einem Restaurant, es werden häufig warme Speisen durchgehend und teilweise bis spät in die Nacht hinein serviert. Zudem erhalten sie hier auch kleine Speisen, wenn ihnen ein ganzes Menue zu viel ist.

Restaurants sind nur Mittags und Abends geöffnet und bieten eine komplette Mahlzeit. Andererseits wird von ihnen dort auch erwartet, daß sie ein komplettes Essen bestellen: Gerade abends bestellt man noch eine Vorspeise oder ein Dessert zum Hauptgericht (oder auch beides). Alles andere wirkt ein wenig unhöflich. Mittags hingegen essen viele nur ein "Plat" (Hauptgericht), weil sie wieder zur Arbeit müssen. (Wenn er irgendwie die Möglichkei hat wird der Franzose sich dann aber wenigstens danach noch einen Kaffee bestellen, so ein Plat alleine erscheint ihm offensichtlich einfach unvollständig.) Um nur einen Kaffee oder ein Glas Wein zu trinken, wird man sich einen anderen Ort suchen. Andererseits (keine Regel ohne Ausnahme...) servieren viele Restaurants am späteren Abend gerne noch Getränke, wenn wieder Tische frei sind und das Personal wegen der verbleibenden Gäste ohnehin nicht nach Hause geschickt werden kann. Einfach fragen!

Betritt man ein Restaurant, nimmt man erst einmal Kontakt mit dem "Patron" (Besitzer) oder einer Bedienung auf und fragt, ob noch ein Tisch für zwei, vier,... Personen frei ist. Fällt die Antwort positiv aus, wird man in der Regel zu einem bestimmten Tisch geleitet. Dies ist kein Zeichen von Bevormundung, sondern Ausdruck von Höflichkeit, die nicht nur in vornehmen Lokalen, sondern auch in schlichten Dorfgasthäusern geübt wird. Einem Franzosen erschiene eine "suchen sie sich irgendeinen Platz aus"-Geste als Gleichgültigkeit, weswegen man freie Platzwahl meist nur in touristisch orientierten Restaurants findet... . Selbstverständlich können sie um einen anderen Tisch bitten, was man ihnen auch gewähren wird, wenn noch einer frei ist. Sinnvollerweise erklären sie gleich, was sie stört, damit der Patron oder Kellner weiß, worauf es ihnen ankommt. Die Tischgröße werden sie auf diesem Weg allerdings nicht beeinflussen können: Wie in Pariser Wohnungen wird auch in Pariser Restaurants kein Quadratmeter verschwendet... . Und es ist nie verkehrt, einen Tisch zu reservieren! Der typische Pariser "Ausgehtag" ist der Samstag Abend und auch Sonntag geht man gerne zum Mittagessen. Andererseits haben viele Lokale dann von Sonntag Nachmittag bis Montag oder sogar Dienstag Mittag geschlossen. Wer keine bestimmten Vorstellungen hat, wird in Paris immer etwas finden, für alle anderen gilt: reservieren, vor allem am Abend!

Trinkgeld geben Pariser generell keines. Die Bedienung ist im Preis eingeschlossen, was man daran erkennt, daß irgendwo unten auf der Karte der Vermerk "service compris" steht. Sollten sie tatsächlich noch auf ein "service non-compris" stoßen wären 15 Prozent des Rechnungbetrages für den Kellner angemessen. Da in Frankreich viel mit Kreditkarte gezahlt wird, stellt sich die Trinkgeldfrage in den meisten Fällen ohnehin nicht mehr. Wenn sie mit dem Service aber wirklich außerordentlich zufrieden waren (oder sie sich viele Sonderwünsche haben erfüllen lassen), dann ist ein "pour-boire" angebracht.

Sehr oft sind Lokale "Bar-Restaurant" oder "Café-Restaurant". In der Praxis bedeutet das, daß das Lokal den ganzen Tag als Bar geöffnet hat und mittags (und gegebenenfalls auch abends) einen Teil der Tische zum Restaurant umwidmet. Die erkennt man an der Eindeckung mit Glas, Serviette und Besteck. Setzen sie sich an einen eingedeckten Tisch, bedeuten sie damit dem Personal, daß sie etwas essen wollen. (Ist der Restaurantteil von der Bar abgetrennt ist es jedenfalls besser, zu fragen, ob ein Tisch frei ist.) An den anderen Tischen kann man sich niederlassen wie man Lust hat und auch nur etwas trinken. Aber natürlich wird man ihnen auch hier Essen servieren.

Für den kleinen Hunger nebenbei bieten sich auch die vielen Imbißbuden an: süße und salzige Crépes, Pizza, Sandwich, Pannini, Sushi, Hot Dog,... die Auswahl ist wieder nur durch den Geldbeutel und die aktuelle Stimmung begrenzt. Sehr beliebt ist auch "Sandwich grec frites": Auf ein Kebab wird noch ein Berg Pommes-Frites getürmt und alles in Papier eingewickelt. Dafür zahlt man so um die FF 23,00 und wird sicher satt. Vorausgesetzt man findet heraus, wie man es essen kann...

Wie aber trifft man seine Wahl? Sie können eine der vielen Restaurantführer studieren und in einem empfohlenen Lokal einen Tisch bestellen. Sie gehen auf gut Glück los. Gerade im Quartier Latin (5. Arrondissement) oder im Marais (4. Arrondissement) funktioniert das hervorragend. Sie haben Lust auf eine bestimmte Regionalküche: Im 13. Arrondissement gibt es etwa 150 asiatische Restaurants, in der Passage Brady (10. Arrondissement) steht ein indische Restaurant neben dem anderen, in der Rue de la Huchette (5. Arrondissement) haben sie die Wahl zwischen vielen griechischen Restaurants,... . Oder sie laufen einfach mit offenen Augen durch die Stadt: Entdecken sie ein Lokal, das ihnen gefällt, reservieren sie einen Tisch für den Abend (das geht auch um 18.00 Uhr noch) und machen sie ein dickes Kreuz in ihren Stadtplan. Es wäre je zu ärgerlich, es nicht wiederzufinden....

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© Oktober 1999 by m.nowak - letzte Aktualisierung am 21.11.2001